Nach meinem Abitur bin ich für ein Jahr nach England gegangen. Teils aus Verzweiflung darüber, dass ich nicht wusste, was einmal aus mir werden sollte und teils aus Fernweh. Ich habe mich für Großbritannien entschieden - es war weder zu weit weg von meiner geliebten Familie, noch kamen mir die Sprache und das Wesen der Engländer allzu fremd vor.
Ich lebte in einer Gastfamilie in Robertsbridge, einem kleinen Ort etwa 60 Kilometer von London entfernt. Die Idylle der Gegend war ein großer Pluspunkt, denn ich wollte nicht unbedingt in die Großstadt. Ich hatte Angst, dass das zu viel für mich werden würde.
Ich lebte mich ziemlich schnell ein. Anfänglich hatte ich noch Hemmungen meine Englisch-Kenntnisse so zu nutzen, dass ich aktiv an Unterhaltungen teilnehmen konnte. Doch meine Gastfamilie war genial; vor allem durch die einfache Sprache der Kinder konnte ich schnell viel dazu lernen. Ich schloss auch bald Freundschaften mit den Leuten aus dem Dorf und alle fanden, dass mein Englisch "brilliant" wäre, auch wenn ich nur ein paar Worte hervorbrachte.
In der Schule war ich ganz gut in Englisch gewesen, aber als ich dann in England war, musste ich alles noch einmal lernen, weil der südenglische Dialekt doch recht ausgeprägt ist und man mit Schulenglisch da nicht sehr weit kommt.
Um Freunde kennen zu lernen und mich auch mal außerhalb des Dorfes aufzuhalten, ging ich auf ein College in Tonbridge. Das war eigentlich das Beste an meinem Aufenthalt in England: Am College habe ich großartige Menschen aus aller Welt kennen gelernt. Wir alle unterhielten uns auf Englisch - unserer gemeinsamen Sprache; abends trafen wir uns in den jeweiligen Häusern der Gastfamilien, in Pubs oder gingen ins Kino.
Zuerst hatte ich schon Angst gehabt, keinen Anschluss zu finden, aber das kam dann automatisch. Mein Englisch verbesserte sich von Tag zu Tag und bereits nach ein paar Wochen verstand ich alles und jeden - gleich, ob es die Nachrichten im Fernsehen oder die Verwandten meiner Gastfamilie aus Newcastle waren.
Auch jetzt, zwei Jahre nach meinem Auslandsaufenthalt, ist mein Englisch immer noch sehr gut. Ich gebe Nachhilfeunterricht und schreibe englische Songs. Das Jahr in England hat mich sehr bereichert, ich habe noch immer Kontakt zu der Familie und zu meinen Freunden aus dieser Zeit.
Von Claudi