Die Jahrgangsstufe hinter mir gelassen, Abitur in der Tasche und mein Englisch war "OK".
OK? Ich habe irgendeinen alten James Bond im Original gesehen - und da war überhaupt nichts "OK"! Filmriss. Ich bin mit meinem Schulenglisch gescheitert.
Als Überbrückung bis zum Studienbeginn bot sich also ein Sprachaufenthalt an. Cambridge klang gut, das schmückt jeden Lebenslauf.
Ein Angebot der Dr. Steinfels Sprachschule passte, weil mir das lästige Drumherum aus der Hand genommen wurde. Alles wurde organisiert: Ich bekam eine private Unterkunft und der Sprachkurs wurde gebucht.
September bis Dezember, der Herbst sollte es also sein. Und kaum zu glauben: Kein Nebel, kein Regen. "Ja, Cambridge liegt im Südosten Englands, wir haben's hier ziemlich trocken", erklärte mir mein Landlord, Familienvater und privater Gastgeber. Drei Monate lang lebte ich in der Peverel Road und hatte einen goldenen Herbst.
Die Einteilung in Sprachkurs-Gruppen erfolgte gleich am ersten Morgen nach meiner Ankunft mittels eines Tests. Knifflig - aber mit Glück rutschte ich in die Gruppe fürs Cambridge Proficiency Certificate, die Leistungsgruppe. Außerdem bestand die Möglichkeit das Cambridge First und den Test of English as a Foreign Language (TOEFL) abzulegen.
Die Lerngruppe war lustig und bunt - mit Schweizern, Dänen, Spaniern und mir als Deutschem. Jeder brachte seine Macken mit, hatte viel zu erzählen, sodass wir Englisch sprachen und Europäisch dachten.
Aber es gab auch Durststrecken: Tatsächlich lernten wir wie in der Schule. Vokabeln und Grammatik büffeln, richtig büffeln - jeden Abend bis nach elf Uhr. Wöchentlich wurden wir getestet. Wer nachlässig bei den Prüfungen war, dem drohte der Abstieg in eine andere Gruppe.
Drei Monate flogen dahin; Land und Leute entschädigten reich für die Mühen des Alltags. Cambridge hat Flair: alte Colleges, der River Cam, Debattenkriege zwischen Studenten und ein grenzenloses Kulturangebot.
Ich kann gar nicht sagen, ob ich mehr Englisch in den Kursstunden der Sprachschule oder im "everyday life" bei meiner Gastfamilie gelernt habe - aber das ist auch nicht wichtig, denn plötzlich war es da: Das Verstehen, das Verständnis, sogar das Träumen in der anderen Sprache. Englisch war nun keine Fremdsprache mehr, sondern meine Zweitsprache.
Mein Fazit: Zwei Wochen Sprachschule reichen zum Schnuppern. Vier Wochen bringen erste Erfolge.
Aber drei Monate, die sollten es schon sein, wenn es nachhaltig wirken soll!
Von Niklas M.